Victor Klemperers Lingua tertii imperii, kurz LTI, ist – obwohl oft missverstanden und viel kritisiert – heute zu einem der einflussreichsten Bücher über den Nationalsozialismus geworden. Es hat sich im Laufe der Jahre durchgesetzt, denn sein Autor ist schon auf den ersten Blick für ein solches Buch als Zeitzeuge und Opfer des Nationalsozialismus gleichermaßen eine glaubwürdige wie als Wissenschaftler eine fachlich kompetente Persönlichkeit. Die 1946 im Manuskript fertiggestellte und erstmals im Sommer 1947 im (Ost-)Berliner Aufbau-Verlag erschienene LTI bietet keine Rückschau auf die Jahre unter der nationalsozialistischen Herrschaft, sondern beruht auf authentischen Tagebuchaufzeichnungen des Verfassers und atmet daher den lebendigen Geist (und Ungeist) des unmittelbar selbst Erlebten. Seit 1934 hatte Klemperer begonnen, in seinem Tagebuch Eintragungen zu sprachlichen Besonderheiten der Nazis vorzunehmen. Gespräche, Zeitungsartikel und Rundfunkkommentare dienen als Quelle, auch immer wieder Sachbücher und Romane. In der LTI greift Klemperer exemplarisch den 1929 erschienenen Roman Partenau von Max René Hesse heraus, der damals als „Roman der Reichswehr“ beworben wurde. In der Verlagswerbung hieß es: „Die Sprache ist biegsam und hart zugleich, rücksichtslos formt sie Dinge und Menschen mit einer seltenen und erstaunlichen Heftigkeit.“ Klemperer schreibt in der LTI:

Das Ganze ist im expressionistischen, bisweilen pretiös geheimnisvollen Stil der Kriegs- und ersten Weimarer Jahre geschrieben, etwa in Fritz von Unruhs Sprache. Aber Unruh und die deutschen Expressionisten jener Zeit waren Friedensfreunde, waren humanitär und bei aller Heimatliebe weltbürgerlich gesinnt. [Der Oberleutnant der Reichswehr] Partenau dagegen ist erfüllt von Revanchegedanken und seine Pläne sind keineswegs bloße Hirngespinste; er spricht von schon vorhandenen ‚unterirdischen Provinzen‘, von dem unterirdischen Bau ‚organisierter Zellen‘. Was noch fehle sei einzig ein überragender Führer. ‚Nur ein Mann, mehr als ein Kriegsmann und Bauherr, vermöchte ihre geheime schlafende Kraft zu einem gewaltigen und geschmeidigen Werkzeug lebendig zu machen.‘ Findet sich dieses Führergenie, dann wird es Raum schaffen für die Deutschen. … Welch eine Vorwegnahme der Sprache, der Gesinnungen des Dritten Reichs!1

Klemperer will aber nicht nur das eigenartige Buch charakterisieren – trotz ihres Inhalts und ihrer Sprache waren Max René Hesses frühe Romane, die allesamt ins Französische übersetzt wurden, in der Spätzeit des Nationalsozialismus in Deutschland verboten. Vielmehr aktualisiert und kontrastiert Klemperer den „Roman der Reichswehr“, seine Protagonisten  und deren Sprache durch den Vergleich mit einem jungen Offizier aus seinem Bekanntenkreis, der den Klemperers anfangs sympathisch war. In der LTI heißt es

Georg, der ganz harmlose, ganz unliterarische Junge, schreibt längst in gleicher Sprache, spielt längst mit gleichen Gedanken. Wie sich harmlos mittlere Naturen ihrer Umgebung angleichen! Uns fiel nachträglich ein, wie der gutmütige Junge schon in Heringsdorf [um 1930] vom ‚frischen, fröhlichen Krieg‘ gesprochen hatte. Wir hielten das damals für die gedankenlose Übernahme eines Klischees. Aber Klischees bekommen eben Gewalt über uns. ‚Sprache, die für dich dichtet und denkt‘…2

In den Jahren nach 1933 stellt sich Klemperer fast täglich die Frage, wie es möglich war, daß der Nationalsozialismus in Deutschland die Macht erringen konnte. Für ihn waren die stärksten Propagandamittel des Nationalsozialismus nicht die Reden Hitlers und Goebbels, nicht die Flugblätter und Plakate oder die Umzüge mit Fahnen und Fackeln. In seiner Sicht folgte die Zustimmung zum Nationalsozialismus nicht bewussten Denkprozessen, sondern erfolgte durch den Gebrauch einzelner Worte, Redewendungen und Satzformen, die nach millionenfacher Wiederholung in das Unterbewusstsein der Menschen eindringen konnten. Er schreibt: „Worte können sein wie winzige Arsendosen: sie werden unbemerkt verschluckt, sie scheinen keine Wirkung zu tun, und nach einiger Zeit ist die Giftwirkung doch da.“3 So entsteht der Gedanke, die Wirkung des Nationalsozialismus von der Sprache her aufzuschlüsseln: „die Sprache bringt es an den Tag.“ „Was jemand willentlich verbergen will, sei es nur vor anderen, sei es vor sich selber, auch was er unbewußt in sich trägt: die Sprache bringt es an den Tag. Das ist wohl auch der Sinn der Sentenz: le style c’est l’homme; die Aussagen eines Menschen mögen verlogen sein – im Stil seiner Sprache liegt sein Wesen hüllenlos offen.“4 Auch wenn gerade seine Verweise auf die „Giftwirkung“ der Sprache nicht unwidersprochen geblieben sind, ebenso die Rede von der „Sprache, die für dich dichtet und denkt“, so ist er mit der LTI doch zu einem der meist gelesenen Sprachkritiker des 20. Jahrhunderts geworden.

Victor Klemperers Weg zu Sprachkritik

Victor Klemperer war Geisteswissenschaftler, sein Fach die romanische Literaturwissen­schaft. Geboren ist er am 9. Oktober 1881 in Landsberg an der Warthe (heute Gorzów Wielkopolski). Vergleichbar den vielen deutschen Schriftstellern, die in einem protestantischen Pfarrhaus aufgewachsen sind und dort ihre sprachliche Prägung erhalten haben, stammt Victor Klemperer aus einer rabbinischen Familie.

Sein Vater wirkte als Rabbiner in Landsberg, Bromberg und zuletzt an der jüdischen Reformgemeinde in Berlin, doch war Victor Klemperer bereits in jungen Jahren Protestant geworden, weil für den assimilierten Juden der Protestantismus untrennbar zum „Deutsch-Sein“ hinzu gehörte. Nach unsteten Jugendjahren in Berlin, die mit dem Abbruch einer unbefriedigenden kaufmännischen Lehre endeten, holte er 1902 in Landsberg sein Abitur nach und studierte, zunächst ohne Abschluss, bis 1905 Germanistik und Romanistik in Berlin und München, mit Auslandssemestern in Genf und Paris. 1906 heiratete er die Malerin und Pianistin Eva Schlemmer und arbeitete als freier Journalist in Berlin, wo er u.a. im Berliner Tageblatt Feuilletons über die neueste Literatur veröffentlichte. Daneben schrieb er Gedichte und Erzählungen, 1907 erschien mit Adolf Wilbrandt. Eine Studie über seine Werke ein erstes Buch über einen zeitgenössischen Schriftsteller, kurz darauf Paul Heyse, dann 1909 Paul Lindau sowie 1910 Berliner Gelehrtenköpfe, eine Auswahl von Porträtskizzen Berliner Professoren, die zuvor in der literarischen Monatsbeilage des Tageblatts erschienen waren. Ein gesichertes Einkommen ergab sich daraus aber nicht und er blieb auf die finanzielle Unterstützung seiner älteren Brüder angewiesen.

Auf Druck der Brüder und auch, weil Klemperer oft an seiner schriftstellerischen und journalistischen Begabung zweifelte, nahm er 1912 nach dem Tod des Vaters sein Studium in München wieder auf, um eine wissenschaftliche Laufbahn einzuschlagen. Deswegen wiederholte er seine nur unzureichend dokumentierte erste Taufe von 1903, denn ihm war bewusst, wie stark jüdische Wissenschaftler in der Habilitations- und Berufungspraxis des Kaiserreichs benachteiligt waren. Ganz offensichtlich gab es eine Art Grundkonsens, der es zumindest Geisteswissenschaftlern jüdischer Herkunft fast unmöglich machte, ein Ordinariat an einer preußischen Universität zu erhalten. Für einen nicht getauften, nicht protestantischen Juden war eine Berufung so gut wie nicht denkbar.5

Während man ihn in München wegen mangelnder Altfranzösisch-Kenntnisse nicht ins romanische Seminar aufnehmen wollte, wurde er in der Germanistik bei Franz Muncker noch im gleichen Jahr mit einer Arbeit über den damals viel gelesenen Schriftsteller Friedrich Spielhagen promoviert (1913 gedruckt als Die Zeitromane Friedrich Spielhagens und ihre Wurzeln). Da das Thema auch den neu nach München gekommenen Romanisten Karl Vossler interessierte, eröffnete sich für Klemperer nun noch einmal die Möglichkeit, in die Romanistik zu wechseln. In nur zwei Jahren arbeitete er seine Habilitationsschrift Montesquieu aus.6 Vossler konnte ihm 1914 sogar ein Lektorat an der Universität von Neapel vermitteln, das erstmals ein geregeltes Einkommen versprach. Doch schon im November 1915 kehrte der damals streng national-konservativ denkende Klemperer als Kriegsfreiwilliger zurück und wurde zunächst als Artillerist an der Westfront, später als Zensor in Kowno und Leipzig eingesetzt. Nachdem sich eine Ernennung zum Dozenten an der Universität Gent durch die sich abzeichnende militärische Niederlage zerschlagen hatte, ging er als Privatdozent nach München zurück, bis er 1920 schließlich auf eine Professur an der Technischen Hochschule Dresden berufen wurde. Dort wirkte er bis zu seiner Entlassung im September 1935 als Professor für „Romanische Philologie.“

Zum kleinen Kreis der „großen Romanisten“Deutschlands hat man Victor Klemperer in der Nachkriegszeit und der Bundesrepublik nicht gezählt.7 Inzwischen deutet sich aber eine Neubewertung an, denn er war als „idealistischer Neuphilologe“, Romanist und Literaturhistoriker des 18. Jahrhunderts ein Erneuerer, der wie sein Lehrer Vossler die Abkehr von einer ausschließlich historisch-philologischen Ausrichtung des Faches vollzogen hat.8 Während es Karl Vossler in Weiterführung der Gedanken Wilhelm von Humboldts und Benedetto Croces vor allem um den literarischen Stil ging, ist Klemperer ein Chronist des Alltags. Ihn fasziniert seit den 1920er Jahren die Moderne, das Kino, das Autofahren, der Sport. Er plant einen Aufsatz zur modernen Sportsprache, der aber nicht ausgearbeitet wird. Mit seinen Überlegungen folgt er Vosslers Versuch, Kultur von der Sprache her zu analysieren, dies aber mit einem anderen, stärker am Alltag ausgerichteten Kulturbegriff und zunächst noch ohne eine rechte methodische Vorstellung, wie er dies als Literaturhistoriker umsetzen könnte. Sein Interesse an der Neuphilologie und der Alltagskultur bereiten aber seine Hinwendung zur Sprachkritik vor. Bemerkungen zum Sprachgebrauch etwa einzelner Kollegen finden sich schon im Tagebuch von 1922; etwa „Ich sagte neulich im Seminar: Stil sei das Persönliche zugebracht zum allgemeinen Sprachgut.“9 Es ist nicht ohne Tragik zu sehen, daß es erst die nationalsozialistische Gewaltherrschaft war, die Victor Klemperer den Stoff für seine systematische Sprach- und Kulturkritik bot. „Seine Beschränkung auf das Tagebuchschreiben in der NS-Zeit hatte es ihm erlaubt, auf einem sprachanalytisch verschobenen Terrain seine kulturanalytische Position fortzuentwickeln, die er in den 1920er Jahren im Bereich der Literaturwissenschaft entwickelt hatte.“10

Victor Klemperer überlebte Krieg und Verfolgung und konnte das Chaos nach dem Bombenangriff auf Dresden im Februar 1945 nutzten, um sich zusammen mit seiner Frau zu Fuß in das befreite München durchzuschlagen. Zum 1. November 1947 wurde Klemperer von der sowjetischen Administration wieder in seine Professur an der TH Dresden eingesetzt und lehrte dann bis 1960 weiter in der Sowjetzone bzw. DDR an den Universitäten in Greifswald, Halle-Wittenberg und an der Humboldt Universität in Berlin.

Victor Klemperer als Tagebuchschreiber

Über Klemperers Leben sind wir sehr gut unterrichtet, denn er war ein geradezu exzessiver Tagebuchschreiber. Seit seinem 16. Lebensjahr führte er Tagebuch, das er in den späteren Jahren, auch in der Zeit des Nationalsozialismus, systematisch als Protokoll eines Zeugen des Jahrhunderts und in zunehmendem Maße als Materialgrundlage für spätere Veröffentlichungen ausarbeitete. Bei seinem Tagebuchprojekt wie bei seinen wissenschaftlichen Arbeiten stand zunächst vor allem der Gedanke im Vordergrund, in den eigenen Werken weiterzuleben, durch das Schreiben nicht vergessen zu werden.

Wer seine Vita schreibt, folgt im Letzten bestimmt immer nur dem einen, dem ganz sinnlosen und ganz unwiderstehlichen und ganz unausrottbaren Triebe: Er mag es nun eingestehen oder nicht, es geht ihm ums Fortdauern, er möchte persönlich länger hier sein, mit seinem ganzen Ich, mit Haut und Haaren, auch wenn Ich längst nicht hier ist, einerlei, wie man sich das Anderwärts vorstellt, als Nichts oder irgendein Himmel oder irgendeine Hölle oder Schattenwelt.11

Auch nach Abschluss eines größeren Kapitels seines romanistischen Hauptwerks, der „Geschichte der französischen Literatur im 18. Jahrhundert“ schreibt er 1935:

Könnte ich nicht … mir die Hoffnung geben, daß dieser ganze fertige und lesbare Text auch ohne mich und nach mir publiziert werden kann – ich glaube, so ertrüge ich diese Zeit nicht, brächte jedenfalls nicht die Konzentration zum Schreiben auf.12

Die Tagebücher werden zugleich aber zum Archiv für das, was Klemperer „Leben sammeln“ nennt. Im Zentrum des Sammelns steht anfangs die Reflexion auf das Ich und seine Rolle in den es umgebenden sozialen Netzen: das Leben an der Technischen Universität Dresden, seine Ehe mit Eva Klemperer, wissenschaftliche Pläne und Arbeiten, oft der als labil empfundene Gesundheitszustand.

Nur Leben sammeln. Immer sammeln. Eindrücke, Wissen, Lectüre, Gesehenes, alles. Und nicht fragen wozu u. warum. Ob ein Buch daraus wird, oder Memoiren oder gar nichts, ob es in meinem Gedächtnis haftet oder verdirbt wie eine schlechte photographische Platte. Nicht fragen, nur sammeln.13

Das schreibende Ich steht aber stets in unmittelbarer Verbindung mit den politischen Wirren nach dem Ersten Weltkrieg, der Inflation und der Weltwirtschaftskrise, ebenso mit dem Dresdener bürgerlichen Gesellschaftsleben und dem jüdischen Bildungsbürgertum; schließlich mit dem schrittweisen Aufstieg der NSDAP.14 Der Radius der Beobachtungen vergrößert sich; mit der Machtübernahme der Nazis verschiebt sich das Schreibmotiv. Klemperer will nun nicht mehr nur das eigene Privat- und Berufsleben „sammeln“, sondern setzt sich zum Ziel, mit dem Tagebuch eine Chronik auch des öffentlichen Lebens zu verfassen. Er will „Zeugnis ablegen bis zum letzten.“ Dabei ist es immer wieder die Sprache, die seine Aufmerksamkeit erregt. In der Rolle als „Chronist des Jahrhunderts“ findet Victor Klemperer nun eine Lebensaufgabe. Die Tagebücher verdeutlichen für die frühen Jahre auf beklemmende Weise die Anpassungsanstrengungen eines assimilierten Juden; die Weimarer Zeit zeigt die Schwierigkeiten eines Juden, sich im universitären Umfeld zu behaupten; die Tagebücher aus der Zeit des Nationalsozialismus beleuchten den Alltag eines Verfolgten, der nur durch das Zusammenleben mit seiner „arischen“ Frau überleben konnte. Dies ist mit solcher Eindringlichkeit sonst wohl nirgends dokumentiert worden.15

Nach dem Reichsgesetz zur „Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“, das ab dem 7. April 1933 nicht nur dazu diente, politisch missliebige, sondern auch nach NS-Maßstäben „jüdische“ Personen aus der Beamtenschaft zu entlassen, galt Klemperer als Jude – er, der sich nicht einmal als deutscher Jude, sondern als Deutscher schlechthin empfand. Nur der Frontkämpferstatus verzögerte die sofortige Entlassung – um zwei Jahre. Nachdem Klemperer dann 1935 aus seinem Amt vertrieben wurde, war er zwar durch die Ehe mit seiner „arischen“ Frau vor einer sofortigen Deportation geschützt, er verlor aber Schritt für Schritt alle bürgerlichen Rechte, etwa durch das Verbot, Haustiere zu halten, Auto oder Fahrrad zu fahren, ein Radio zu besitzen. Er war abgeschnitten von allen gewohnten Kontakten und Tätigkeiten. Jan Philipp Reemtsma hat dies treffend als „sozialen Tod“ bezeichnet.16 Klemperer selbst nennt diesen sozialen Tod im Tagebuch eine „Einschnürung“: „Jeder Tag bringt neue Einschnürung.“17 Als ihm schließlich auch der Zugang zu Bibliotheken und das Abonnement von Zeitungen und Zeitschriften verboten werden, kommt seine wissenschaftliche Arbeit zum Erliegen. 1940 müssen er und seine Frau schließlich sogar ihr Haus verlassen und in ein sog. Judenhaus umziehen, ab 1943 leistet er Zwangsarbeit in mehreren Fabriken. Schreiben wird für ihn nun überlebenswichtig, das Tagebuch zu einem Schutzraum, seiner „Balancierstange.“

Vom Tagebuch zur LTI

Klemperers gibt hier ein herausgehobenes Beispiel für die Funktion des Tagebuchs zur psychischen Regeneration seines Verfassers und die damit aufscheinende kathartische Sprachfunktion.

Mein Tagebuch war in diesen Jahren immer wieder meine Balancierstange, ohne die ich hundertmal abgestürzt wäre. In Stunden des Ekels und der Hoffnungslosigkeit, in der endlosen Öde mechanischster Fabrikarbeit, an Kranken- und Sterbebetten, an Gräbern, in eigener Bedrängnis, in Momenten äußerster Schmach, bei physisch versagendem Herzen – immer half mir diese Forderung an mich selber: beobachte, studiere, präge dir ein, was geschieht – morgen sieht es schon anders aus, morgen fühlst du es schon anders; halte fest, wie es eben jetzt sich kundgibt und wirkt.18

Da wissenschaftliches Arbeiten ohne die Universitätsbibliothek nicht mehr möglich ist, wendet er sich wieder seinen Tagebüchern zu und beginnt aus den Aufzeichnungen der Jahre 1881 bis 1918 ein Curriculum Vitae (CV) zu formen. Die Tagebuchaufzeichnung dieser Jahre selbst hat er leider größtenteils vernichtet,19 doch geben die Tagebücher der 1930er Jahre Einblicke in den Überarbeitungsprozess. Geplant hatte er die Fortführung des CV über diesen ersten Teil hinaus, mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten drängte sich aber das Thema LTI mehr und mehr in den Vordergrund. „Und sehr bald verdichtete sich dann dieser Anruf [beobachte, studiere, präge dir ein, was geschieht], mich über die Situation zu stellen und die innere Freiheit zu bewahren, zu der immer wirksamen Geheimformel: LTI, LTI!.“20 Zudem entschloss er sich im März 1942 seine gesamten Tagebuchmanuskripte – die Grundlage für das CV – bei Freunden außerhalb Dresdens zu verstecken, weil ihm die Aufbewahrung der Tagebücher in der Wohnung im „Judenhaus“ zu gefährlich wurde.

Aus der Sicht der Nachwelt hat die Unterbrechung der Arbeit am CV auch positive Aspekte, denn die unbearbeiteten Tagebücher der Jahre nach 1918, die er vermutlich wie die meisten frühen andernfalls ebenfalls vernichtet hätte, vermitteln einen authentischen, ungefilterten Eindruck, der bei der Umschrift zum CV gelegentlich verloren geht. Im Unterschied zu den Tagebüchern spiegelt das CV nicht mehr den Moment des unmittelbaren Erlebens, sondern schildert das erlebte Leben aus der Rückschau.

Das Tagebuchschreiben als „Balancierstange“ setzt er jedoch fort, nur an die Stelle der parallelen Umarbeitung der Tagebücher für das CV trat nun der Plan, zunächst ein Buch über die „Sprache des 3. Reichs“, die „Lingua tertii imperii“ zu schreiben. Erste Hinweise auf diese Idee reichen schon in die Anfangszeit der NS-Herrschaft zurück. Im Tagebuch begegnen ab 1934 immer wieder Notizen zum nationalsozialistischen Sprachstil:

Neulich schickte mir Jelski eine Predigt, die er einem verstorbenen [jüdischen] Gemeindevorstand gehalten. Die Überschrift hieß: ‚Unserm Führer …‘, ich weiß nicht, Jacobsohn oder Levi oder Blumenfeld …Wie abgeschmackt und wie verächtlich! Die rituellen Juden pflegen trefe gewordene Gefäße zu reinigen, indem sie sie eingraben. So wird man das Wort ‚Führer‘ auf lange Zeit vergraben müssen, ehe es wieder rein und gebrauchsfähig ist.21

Kurz darauf gibt er im Tagebuch schon eine Skizze der möglichen Gliederung des Stoffes:

Bisher fünf Gesichtspunkte: 1, der mechanistische Stil, 2. der enzyklopädische Stil der Emigranten (Gusti Wieghardt sagt, sie hießen in Frankreich Les chez-nous), 3. der enzyklopädische Stil der Regierung, 4. der Reklamestil, 5. der germanische Stil: Namen, Namensänderungen…22

Schon bald verdichten sich die Pläne, die Beobachtungen für einen Aufsatz oder ein Buch zusammenzustellen und zu bearbeiten. Zuerst im Tagebuch am 27. Juli: Auch die Studie über die Sprache des 3. Reiches bewegt mich immer mehr. Literarisch auszubauen, etwa Mein Kampf lesen, wo dann die (teilweise) Herkunft aus der Kriegssprache deutlich werden muß. Auf die Kriegssprache („Arbeitsschlacht“) weißt Eva hin.“23

Mit der LTI und den Tagebüchern hat Victor Klemperer sich in das kulturelle Gedächtnis Europas eingeschrieben; die LTI knüpft an die bei Vossler erlernte idealistische Sprachbetrachtung an und weitet sie auf den gesamten Kosmos sprachlicher und nicht-sprachlicher Zeichen aus. Zuletzt ist er nicht zu Unrecht als Vorläufer der modernen Diskursanalyse betrachtet worden.24 Allerdings fehlt ihm anfangs noch eine genauere über das „Sammeln“ hinausgehende methodische Vorstellung, wie er den Plan realisieren könnte. Aber schon den Romanisten Klemperer beschäftigte die Alltagskultur, auch wenn dies bei seinen Fachkollegen noch auf wenig Verständnis stieß. Durch seine Weiterentwicklung des sprachidealistischen Ansatzes waren seine Sinne für die Analyse des sprachlichen Alltags im Nationalsozialismus nun geschärft wie bei kaum einem anderen. Hier erst findet er den Stoff für seine „idealistische Neuphilologie.“ In den Tagebüchern und dann in der LTI schenkt er Phänomenen der Alltagskultur, der Präsentation von Geburts- und Todesanzeigen, oder der Sprache medizinischer Rezepte die gleiche Aufmerksamkeit, mit der er Goebbels Reden, die Wehrmachtberichte oder Rosenbergs Schriften analysiert. So entsteht die Basis für eine Kulturgeschichte der NS-Zeit. Dabei geht er im Sinne einer „idealistischen Neuphilologie“ Vosslerscher Prägung von einer Verbindung von Sprache („Sprachgeist“) und dem Leben eines Volkes („Volksseele“) aus.25 Im Tagebuch heißt es:

Die Sprache des 3. Reiches aber ist immer um mich und läßt mich keinen Augenblick los, bei der Zeitungslektüre beim Essen, auf der Tram, mit ihr lebe ich, für sie sammle und registriere ich absichtslos, beim Aufwachen morgens fällt mir ein: Da sagte doch gestern der Herr neben mir … Aus ihrer Sprache ihren Geist feststellen. Das muß den allgemeinsten, den untrüglichsten, den umfassendsten Steckbrief ergeben. So bin ich auf meine alten Tage doch noch zum Philologen geworden.26

In der LTI gruppiert Klemperer seine Aufzeichnungen, ergänzt und verdichtet sie zu 36 kurzen Kapiteln. Dazu treten eine Einleitung „Heroismus (Statt eines Vorworts)“ und „Wejen Ausdrücken“ (Ein Nachwort).“27 Das Kapitel „Aus dem Tagebuch des ersten Jahres“ verdeutlicht den Wert des Tagebuchs als Quelle der LTI.

27. März. Neue Worte tauchen auf, oder alte Worte gewinnen neuen Spezialsinn, oder es bilden sich neue Zusammenstellungen, die rasch stereotyp erstarren. […] Die Auslandsjuden, besonders die französischen, englischen und amerikanischen, heißen heute immer wieder die ‚Weltjuden‘. Ebenso häufig wird der Ausdruck ‚Internationales Judentum‘ angewandt und davon sollen wohl Weltjude und Weltjudentum die Verdeutschung bilden. Es ist eine ominöse Verdeutschung: in oder auf der Welt befinden sich die Juden also nur noch außerhalb Deutschlands? Und wo befinden sie sich innerhalb Deutschlands? – Die Weltjuden treiben ‚Greuelpropaganda‘ und verbreiten ‚Greuelmärchen‘, und wenn wir hier im geringsten etwas von dem erzählen, was Tag für Tag geschieht, dann treiben eben wir Greuelpropaganda und werden dafür bestraft.28

Im Tagebuch hatte sich Klemperer die Verwendung von „Greuelpropaganda“ und „Weltjuden“ im öffentlichen Sprachgebrauch bereits notiert.29

Die Einleitung behandelt das Weiterleben von Ausdrücken wie „heldisches Verhalten“, „heroischer Widerstand“ oder „Heroismus“ auch unter demokratisch gesinnten Schülern und Studenten in den ersten Dresdener Nachkriegsjahren. Klemperer fragt:

Gehört die Sippe der Heldentumsworte in die LTI? Eigentlich ja, denn sie sind dicht gesät und charakterisieren überall spezifische Verlogenheit und Roheit des Nazistischen. Auch sind sie eng verknotet worden mit den Lobpreisungen der germanischen Auserwähltheit: alles Heroische war einzig der germanischen Rasse zugehörig. Und eigentlich nein; denn alle Verzerrungen und Veräußerlichungen haben dieser tönenden Wortsippe schon oft genug vor dem Dritten Reich angehaftet.30

Wesentliche Züge des Buches versammeln sich hier: der Hinweis auf charakteristischen Wortgebrauch im Nationalsozialismus, sein Weiterleben in der Nachkriegszeit und seine Geschichte, die weit vor das Jahr 1933 zurückreicht.

Eine Reihe weiterer Wörter wird auf diese Weise seziert, etwa „Strafexpedition“, „Staatsakt“, „historisch“;31 „Aufziehen“;32 „Fanatisch“33 oder „Gefolgschaft.“34

Aber nicht nur einzelne Wörter werden kommentiert, auch Grammatisches wie „Der Fluch des Superlativs.“35 Dazu treten Redewendungen und Merkmale, die über das rein Sprachliche hinausgehen, etwa bei der besonderen Wirkung des Plakats „Kohlenklau“, das vermitteln sollte, dass jemand, der Energie verschwendet indem er etwa Kohlen stielt, der „Volksgemeinschaft“ schadet.36 Kommentiert wird auch das Tragen des Judensterns in „Der Stern.“37

Wenn Klemperer den durch den nationalsozialistischen Sprachstil in Gang gesetzten Sprachwandel in den 1930er und 1940er Jahren beschreibt, kann er oft sehr genau auf den Wandel des sprachlichen Ausdrucks menschlicher Beziehungen, der sich in einer Diktatur ausbildet, aufmerksam machen. Der Wandel des sprachlichen Ausdrucks verdeutlicht dann die dahinter stehenden gesellschaftlichen Veränderungen. Exemplarisch gelingt das am Beispiel des Wandels der sprachlichen und optischen Gestaltung von Traueranzeigen. Im Kapitel „Familienanzeigen als kleines Repetitorium der LTI“38 beschreibt er die sprachliche Form von Geburts- und Traueranzeigen, bis hin zu Anzeigen von nachträglichen Eheschließungen mit bereits gefallenen Soldaten. Dabei notiert er einige die Gefallenen kennzeichnenden Adjektive wie „sonnig“,39 „lebensfroh“ und „strahlend“, die wie auch die „stolze Trauer“ der Hinterbliebenen kennzeichnend für viele Traueranzeigen der Kriegsjahre sind.

Das Gros der Gefallenen hat die längste Zeit über sein Leben gelassen ‚für Führer und Vaterland‘. (Diese Analogie zu dem altpreußischen ‚Für König und Vaterland‘, einschmeichelnd durch die Alliteration, war vom ersten Kriegstage an überall verbreitet…). Höhere Wärmegrade des Nazismus geben sich kund in den Wendungen: ‚er fiel für seinen Führer‘ und ‚er starb für seinen geliebten Führer‘, wobei das Vaterland ungenannt bleibt, weil es in Adolf Hitler selbst dargestellt und beschlossen ist wie der Leib des Herrn in der geweihten Oblate. Und dies ist der Ausdruck höchster nazistischer Glut, daß man Hitler in unzweideutigen Worten an die Stelle des Heilands setzt: ‚Er fiel im festen Glauben an seinen Führer‘.40

Wenige Sätze später heißt es:

1939, als der Tod fürs Vaterland noch eine neue und nicht gar so alltägliche Sache war, als noch Überfluß an Papier und Setzern herrschte, gab es Gefallenenanzeigen, die ein großes dick umrandetes Quadrat füllten, und wenn ein Held im Privatleben etwa Fabrik- oder Ladenbesitzer gewesen war, dann ließ es sich seine Gefolgschaft nicht nehmen, ihm von sich aus einen besonderen Nachruf zu widmen. Eine solche zweite Anzeige neben der der Witwe war für die Angestellten der Firma unumgängliche Pflicht, und so gehört denn auch das gefühlsverlogene Wort ‚Gefolgschaft‘ in mein Repetitorium. War der Verewigte gar ein wirklich großes Tier gewesen, hoher Beamter oder mehrfacher Aufsichtsrat, dann kam es vor, daß sein Heldentod, drei-, viermal und noch öfter untereinander angezeigt, wohl ein halbes Zeitungsblatt ausfüllte. Da war freilich für Ergießungen und ausgebreitete Phrasen Platz. Zuletzt aber blieben der einzelnen Familienanzeige selten mehr als zwei Zeilen der engsten Spalte. Auch der Rahmen um die einzelnen Anzeigen fiel fort. Wie in einem Massengrab lagen die Toten in einem einzigen schwarz umzogenen Viereck eng zusammengepackt.41

Die Beispiele verdeutlichen sehr anschaulich das Verfahren, daß der Analyse von Diskursen deutlich näher steht als der Erläuterung von Einzelwörtern in rein philologischer Tradition. Dazu können auch Beobachtungen gehören, die möglicherweise auf vorsichtige Distanz zum Nationalsozialismus schließen lassen.

Aber auch das spezifisch Nazistische einer Gesinnung läßt sich innerhalb der Traueranzeige ausdrücken; ja hierbei gibt es feine Abstufungen, die nicht nur der höchsten Begeisterung einen Sonderausdruck zu verleihen, sondern sogar (was ungleich schwerer) kritisches Beiseitestehen anzudeuten vermögen.42

Auf „kritisches Beiseitestehen“ verweisen die Traueranzeigen für Klemperer dann, wenn sie sich ausschmückender Attribute ganz enthalten. In jedem Fall wird deutlich, dass der Staat und seine Funktionsträger – vom Blockwart über die Zeitungszensoren bis zur den Spitzen von Partei und Regierung – als Leser der Traueranzeigen stets mitgedacht werden.

Wiederum, wenn man mit dem Nationalsozialismus gar nicht einverstanden ist, wenn man seiner Abneigung, vielleicht gar seinem Haß, Luft machen möchte, ohne doch nachweisbare Opposition zu betreiben, denn soweit reicht der Mut denn nun doch nicht, dann formuliert man: ‚Für das Vaterland fiel unser einziges Kind‘, und läßt den Führer beiseite.43

Victor Klemperer hat auch das Thema „Familienanzeigen“ schon in seinen Tagebüchern der Jahre 1933­–1945 kommentiert. Darunter ist eine Belegstelle, die sich dann auf die spätere Ausarbeitung im LTI-Band bezieht. Sie enthält eine noch sehr viel deutlichere Betonung des Wandels, indem notiert wird, dass nämlich die Floskel „Für Führer u. Vaterland“ seltener wird.

LTI. Sonnig. Unser sonniger edler Sohn … Der sonnige Vati unseres Töchterchens … mein sonniger Gatte … In jeder dritten Todesanzeige, insbesondere bei den Heldentoden (bei denen das ‚Für Führer u. Vaterland‘ übrigens seltener wird. Man zählt, wie oft bloß ‚für das Vater­land‘).44

Ähnliche Beobachtungen zum Wandel von Traueranzeigen finden sich beispielsweise auch in den kürzlich veröffentlichten Tagebuchaufzeichnungen Friedrich Kellners, eines Chronisten der Kriegsjahre 1939 bis 1945.45 Da Kellners Tagebuch – in das er immer wieder Zeitungsausschnitte, auch Traueranzeigen, einklebt und kommentiert – vor allem den Verlauf des Krieges nachzeichnen und die Propaganda der nationalsozialistischen Regierung als Lüge entlarven will, ist sein Interesse an den Traueranzeigen in erster Linie auf die in ihnen eingeschriebenen Zeichen für die bevorstehende Niederlage und den nahenden Untergang Deutschlands gerichtet. Die Lektüre ist damit eine gute Ergänzung zu Klemperers LTI und Tagebüchern.

Hinweise auf eine bevorstehende Niederlage oder schwindende Unterstützung in der Bevölkerung kommentiert Klemperer in der LTI nicht. Auch fehlt in der LTI ein derart deutlicher Hinweis, daß man bereits zähle, wie oft die Formel „Für Führer u. Vaterland“ auf „Für das Vaterland“ reduziert wird. Zum Verständnis solcher markanter Unterschiede zwischen Klemperers Tagebüchern und der LTI sei daran erinnert, daß die LTI zwar auf Klemperers Tagebuchaufzeichnungen beruht, aber selbst erst unmittelbar nach dem Krieg in der sowjetischen Besatzungszone ausgearbeitet wurde. Dass diese Entstehungsbedingungen der LTI nicht ohne Einfluss auf die Textgestalt blieb, weil Rücksichten auf das Geschichtsverständnis der kommunistischen Regierung genommen werden mussten, hat Heidrun Kämper bereits deutlich gezeigt.46 Der Gedanke, größere Teile der deutschen Bevölkerung hätten sich vom NS-Regime schon mehr und mehr entfernt und diese Distanz auch durch die Formulierung von Traueranzeigen zum Ausdruck gebracht, wäre kaum im Sinne der sowjetischen Propaganda gewesen. Vielleicht hat aber Klemperer vor dem Hintergrund seine eigenen Erlebnisse seit 1941 solche kleinen Indizien selbst nicht als Ausdruck eines Stimmungswandels gewertet.47

LTI und die Folgen

Nach den Jahren des Terrors, ständiger Todesgefahr und Erniedrigung hofft Victor Klemperer am Kriegsende auf einen radikalen Neubeginn für sich und für Deutschland. Er hält kulturpolitische Vorträge und wird Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschlands. Die LTI ist sein Beitrag zu diesem radikalen Neubeginn. Die Bundesrepublik im Kalten Krieg unter Konrad Adenauer ist für ihn keine ernsthafte Alternative. Doch wenn er die Inszenierung der neuen Macht in der DDR beobachtet, so überkommen ihn Zweifel. Zu viele Parallelen fallen ihm auf, die fatale Ähnlichkeit der Propaganda und Sprache, nicht zuletzt die kultische Verehrung Stalins.

Schauderhaft die Identität der LTI u. LQI, des sowjetischen u. des nazistischen, des neudemokratischen u. des Hitlerischen Liedes! Das drängt sich von Morgen bis Mitternacht überall auf u. durch! In jedem Wort, jedem Satz, jedem Gedanken… Unverhülltester Imperialismus der Russen!48

In der DDR fühlt er sich nun vollends „zwischen allen Stühlen.“ Wie vorher zwischen jüdischer Herkunft und protestantischem Deutschtum, zwischen Wissenschaft und Journalismus, so steht er nun zwischen Ost- und Westdeutschland. Einzelne Hinweise auf die LQI – als „lingua quarti imperii“ der neuen Machthaber – finden sich in der LTI nur sehr versteckt,49 in größerer Zahl hätten sie die Veröffentlichung in der DDR verhindert. Von Bewohnern Ostdeutschlands, die der DDR-Regierung ablehnend gegenüberstanden, wurde er deswegen in Briefen kritisiert.50 In der Bundesrepublik hat man die Hinweise auf die LQI übersehen, ihr vermeintliches Fehlen bestärkte die Ansicht, Klemperer sei ein DDR-Autor und „Stalinist.“ Sein Buch wurde daher, wenn überhaupt bekannt, überwiegend negativ bewertet. Ein Export in westliche Länder war dem Reclam-Verlag nämlich verwehrt, erst 1966 wurde eine gebundene Ausgabe in Westdeutschland gedruckt, 1969 erschien dann schließlich eine Taschenbuch-Ausgabe beim dtv-Verlag in München; 1975 durfte dann Reclam auch den Druck einer West-Ausgabe übernehmen. Im vereinten Deutschland stagnierte der Verkauf lange, nicht vor der Mitte der 1990er Jahre, nach der Veröffentlichung der Tagebücher und der Verfilmung von Klemperers Leben, wurde die LTI zum Bestseller.51

Die westdeutsche Sprachwissenschaft hat das Buch zunächst ebenfalls abgelehnt, denn Klemperers sprachidealistisches Programm schien der völkischen Sprachauffassung im nationalsozialistischen Deutschland zu sehr verwandt. Unter „idealistischer Neuphilologie“ versteht Klemperer zunächst: Die Züge eines „Volksgeists“ sichtbar machen und die für ein Volk typischen (nicht nur sprachlichen) Ausdrucksweisen aufdecken und geistesgeschichtliche wie sprachliche Erscheinungsformen als Ausdruck dieses „Volksgeistes“ erklären.52 Klemperers Hinweis, daß Worte „wie winzige Arsendosen“ sein können, die „unbemerkt verschluckt“ werden, glaubte man zudem so verstehen zu müssen, als wolle gerade das Opfer des Nationalsozialismus Victor Klemperer die Deutschen in ihrer Gesamtheit als Opfer einer sprachlichen Verführung entschuldigen.

Stattdessen wollte er aber die Wirkung des nationalsozialistischen Sprachstils auch an seinem eigenen Sprachgebrauch demonstrieren, denn die Giftwirkung der „Nazi-Sprache“ hinterlässt auch bei ihm gelegentlich Spuren, etwa wenn er im Tagebuch selbst von „ausrotten“  oder vom „Arbeitseinsatz“ spricht oder Kollektiva wie „der Russe“, „der Jude“ verwendet. Doch will Klemperer damit weder sich selbst noch andere als unschuldige Opfer sprachlicher Beeinflussung durch den Nationalsozialismus verstanden wissen. Klemperer erklärt damit nur, wie sich diese Sprache ausbreiten konnte. Seine LTI ist gerade der Versuch, den Mechanismus dieses Sprachgebrauchs offenzulegen und dadurch Abwehrkräfte gegen die „Giftwirkung“ aufzubauen.

Letztlich sitzt er auch mit seinem sprachidealistischen Konzept gewissermaßen „zwischen allen Stühlen.“ Auch er selbst erkennt im Laufe der Zeit, daß sein Sprachverständnis demjenigen des Nationalsozialismus auf den ersten Blick gar nicht so fern zu sein scheint, denn auch sein Konzept konnte einer rassistischen Ideologie Argumente liefern. Entscheidend sei aber der ethische Unterschied, und der liegt für ihn allein in der Motivation eines Sprachgebrauchs, denn „wenn zwei sich derselben Ausdrucksform bedienen, müssen sie durchaus nicht von gleicher Absicht ausgehen.“53

Der Alltag im Nationalsozialismus bietet Klemperer also nicht nur den Stoff für seine „idealistische Neuphilologie“, er führt ihn auch zum weiteren Nachdenken über das Verhältnis von Sprache, Sprachgemeinschaft und Nation. Eine undifferenzierte Gleichsetzung von „Volk“ und Sprache erweist sich angesichts des Nationalsozialismus als viel zu einfach. An seinem idealistischen Konzept hält Klemperer zwar fest, aber mit Einschränkungen. Die Widerspiegelung des Geistes und Ungeistes in der Sprache führt einerseits zum Ergebnis, daß der Nationalsozialismus „eine spezifisch deutsche Krankheit“ sei,54 zugleich betont er im „Curriculum Vitae“: „Im Jahr 1933 ist dann mein Glaube an das deutsche Wesen, ja an die Bestimmbarkeit nationaler Eigenarten, fast bis zum Zusammenbruch erschüttert worden.55 Schließlich  erscheint ihm in der LTI Hitlers Rhetorik „im Kern so undeutsch.“56

Es deutet sich hier an, daß der Sprachidealismus, der von den sprachlichen Formen auf die Inhalte schließen will, keineswegs zwangsläufig auf eine Verbindung von Sprache und „Volk“ abzielen muss, wie dies in der Tradition des 19. Jahrhunderts nur allzu nahe lag. Mit gleichem Recht ließe sich das sprachidealistische Konzept auf Aspekte wie „Sprache und politische Einstellung“, auch „Sprache und Geschlecht“, „Sprache und Religion“ oder „Sprache und soziale Herkunft“ ausdehnen. Was Klemperer in Wahrheit tut, ist die für eine Gemeinschaft typischen sprachlichen (und nicht nur sprachlichen) Ausdrucksweisen aufzudecken und diese Erscheinungsformen dann nicht völkerpsychologisch, sondern als Ausdruck einer nationalsozialistischen, politischen Einstellung zu erklären. „Volk“ wird dann allenfalls zu einem Merkmal unter mehreren anderen, zudem zu einem Merkmal, das nach den Katastrophen des 20. Jahrhunderts heute an Bedeutung verloren haben sollte. Im Zuge der Niederschrift der LTI hat sich sein Sprachverständnis – im Rahmen der „idealistische Neuphilologie“ – an entscheidender Stelle gewandelt. Die LTI ist die Summe dieser Überlegungen, eine sprachtheoretische Gebrauchsanweisung hat er selbst dazu nicht mehr eigens vorgelegt.

Dieser Wandel zeigt sich vor allem in den Tagebüchern. Seit ihrer Veröffentlichung ist es nun möglich, ein differenzierteres Bild von Klemperers Sprachverständnis zu gewinnen. Erst im Lichte der Tagebücher erfolgt eine Neubewertung, wird der Rang der LTI erkennbar. Nun ist die LTI vor allem als ein Versuch zu lesen, Kulturkritik als Sprachkritik und Sprachkritik als Ideologiekritik zu verstehen. Durch die Verbindung von LTI und Tagebuch sieht es nun so aus, als habe sich Victor Klemperers Herzenswunsch doch verwirklichen lassen: „Ich möchte auch gar zu gern der Kulturgeschichtsschreiber der gegenwärtigen Katastrophe werden.“57

  1. Victor Klemperer, „LTI“: Die unbewältigte Sprache (Munich: Deutscher Taschenbuch-Verlag, 1969), 4, 32f. 
  2. Ibid., Kap. 4, 33. 
  3. Ibid., Kap. 1,  23. 
  4. Ibid., Kap. 1, 18. 
  5. Notker Hammerstein, Antisemitismus und deutsche Universitäten 1871–1933 (Frankfurt/New York: Campus Verlag, 1995), hier S. 70f. 
  6. Victor Klemperer, Leben sammeln, nicht fragen wozu und warum, Bd. 1: Tagebücher 1918–1924, Bd. 2: Tagebücher 1925–1932, hg. v. Walter Nowojski, unter Mitarbeit v. Christian Löser (Berlin: Aufbau-Verlag, 1996), 1: 1914, 2: 1915. 
  7. Hans Ulrich Gumbrecht nennt Karl Vossler, Ernst Robert Curtius, Leo Spitzer, Erich Auerbach, und Werner Krauss: Hans Ulrich Gumbrecht, Vom Leben und Sterben der großen Romanisten (München/Wien: Carl Hanser Verlag, 2002). 
  8. Michael Nerlich, „Victor Klemperer. Romanist, oder: von Spielhagen zu Montesquieu und Voltaire,“ in Frank Fürbeth et al., (Hg.), Zur Geschichte und Problematik der Nationalphilologien in Europa. 150 Jahre Erste Germanistenversammlung in Frankfurt am Main (1846–1996) (Tübingen: Niemeyer, 1999), S. 771–86; Zu Vossler und der „idealistischen Neuphilologie“ vgl. Hans Helmut Christmann, Idealistische Philologie und moderne Sprachwissenschaft (München: Wilhelm Fink, 1974). 
  9. Victor Klemperer, Leben sammeln, nicht fragen wozu und warum, Bd. 1: Tagebücher 1918–1924, hg. v. Walter Nowojski, unter Mitarbeit v. Christian Löser (Berlin: Aufbau-Verlag, 1996), 1: 632; 9.11.1922. 
  10. Utz Maas, Verfolgung und Auswanderung deutschsprachiger Sprachforscher 1933–1945, Bd. 1 Dokumentation, (Tübingen: Stauffenburg Verlag, 2010), S. 387f. 
  11. Victor Klemperer, Curriculum Vitae. Erinnerungen 1881–1918, 2. Bde., hg. v. Walter Nowojski (Berlin: Aufbau Taschenbuch Verlag, 1996), 1: 7f. 
  12. Victor Klemperer, Tagebücher 1933–1945, hg. v. Walter Nowojski, unter Mitarbeit v. Hadwig Klemperer, 3. Aufl. (Berlin: Aufbau-Verlag, 1999), 2: 56; 31.10.1935. 
  13. Victor Klemperer, Leben sammeln, nicht fragen wozu und warum, Bd. 2: Tagebücher 1925–1932, hg. v. Walter Nowojski, unter Mitarbeit v. Christian Löser (Berlin: Aufbau-Verlag, 1996), 2: 57; 3.9.1929. 
  14. Arvi Sepp, „Lingua Tertii Imperii und Autobiographie: Victor Klemperers Tagebücher der NS-Zeit als Epitext,“ in Iwona Bartoszewicz, Marek Hałub, Tomasz Małyszek (Hg.), Wahrnehmungen und Befunde. Germanica Wratislaviensia 140 (Wrocław: Wydawnictwo Uniwersytetu Wrocławskiego, 2015), S. 107–21, hier S. 107. 
  15. Vgl. Utz Maas, Verfolgung und Auswanderung deutschsprachiger Sprachforscher 1933–1945, Bd. 1 Dokumentation, (Tübingen: Stauffenburg Verlag, 2010), S. 377. 
  16. Jan-Philipp Reemtsma, „Buchenwald wird von anderen geschildert werden; ich will mich an meine Erlebnisse halten“. Stenogramme aus der Vorhölle, in Hannes Heer (Hg.), „Im Herzen der Finsternis“: Victor Klemperer als Chronist der NS-Zeit (Berlin: Aufbau-Verlag, 1997), S. 170–93, hier S. 178. 
  17. Victor Klemperer, Tagebücher 1933–1945, hg. v. Walter Nowojski, unter Mitarbeit v. Hadwig Klemperer, 3. Aufl. (Berlin: Aufbau-Verlag, 1999), 3: 116; 3.12.1938 und öfter. 
  18. Victor Klemperer, „LTI“: Die unbewältigte Sprache (Munich: Deutscher Taschenbuch-Verlag, 1969), Kap. 1, 17. 
  19. Erst kürzlich haben sich aus dem Nachlass noch Aufzeichnungen aus dem Jahr 1919 gefunden: Victor Klemperer, Man möchte immer weinen und lachen in einem: Revolutionstagebuch 1919 (Berlin: Aufbau Verlag, 2015). 
  20. Victor Klemperer, „LTI“: Die unbewältigte Sprache (Munich: Deutscher Taschenbuch-Verlag, 1969), Kap. 1, 17. 
  21. Victor Klemperer, Tagebücher 1933–1945, hg. v. Walter Nowojski, unter Mitarbeit v. Hadwig Klemperer, 3. Aufl. (Berlin: Aufbau-Verlag, 1999), 1: 123; 14.7.1934. 
  22. Ibid., 1: 128; 23.7.1934. 
  23. Ibid., 1: 129; 27.7.1934. 
  24. Siegfried Jäger, „‚Die Sprache bringt es an den Tag.‘ Victor Klemperers Beitrag zum Verständnis des Faschismus und seiner Nachwirkungen in der Gegenwart,“ in Karl-Heinz Siehr (Hg.), Victor Klemperer in der Schule (Berlin: Materialienbuch, 2001), S. 115–39, hier S. 118, 125. 
  25. Zu Klemperers „idealistischer Neuphilologie“ Heidrun Kämper, „Zum Kultur- und Sprachkonzept bei Victor Klemperer,“ in Karl-Heinz Siehr (Hg.), Victor Klemperer in der Schule (Berlin: Materialienbuch, 2001), S. 58–60. 
  26. Victor Klemperer, Tagebücher 1933–1945, hg. v. Walter Nowojski, unter Mitarbeit v. Hadwig Klemperer, 3. Aufl. (Berlin: Aufbau-Verlag, 1999), 4: 117; 23.6.–1.7.1941. 
  27. Einen Stellenkommentar zur LTI bietet Kristine Fischer Hupe, Victor Klemperers „LTI. Notizbuch eines Philologen“: ein Kommentar (Hildesheim/Zürich/New York: Georg Olms, 2001). 
  28. Victor Klemperer, „LTI“: Die unbewältigte Sprache (Munich: Deutscher Taschenbuch-Verlag, 1969), Kap. 5, 35f. 
  29. Victor Klemperer, Tagebücher 1933–1945, hg. v. Walter Nowojski, unter Mitarbeit v. Hadwig Klemperer, 3. Aufl. (Berlin: Aufbau-Verlag, 1999), 1: 14f.; 27.3.1933. 
  30. Victor Klemperer, „LTI“: Die unbewältigte Sprache (Munich: Deutscher Taschenbuch-Verlag, 1969), 15f. 
  31. Ibid., 44–51. 
  32. Ibid., Kap. 7, 52–54. 
  33. Ibid., Kap. 9, 62–66. 
  34. Ibid., Kap. 33, 239–47. 
  35. Ibid., Kap. 30, 218–27; zur Häufung grammatischer Superlative, zum Superlativ der Zahl: „ein Hundertfünfzigprozentiger“, „das Tausendjährige Reich“ und den semantischen Superlativen wie „das totale Spiel.“ 
  36. Ibid., Kap. 14, 89–92. 
  37. Ibid., Kap. 25, 169–74. 
  38. Ibid., Kap. 19, 124–28. 
  39. Dazu auch ibid., Kap. 22 „Sonnige Weltanschauung“; 146–51 mit Verweis auf engl. sonny boy. 
  40. Ibid., Kap. 19, 126. 
  41. Ibid., Kap. 19, 127. 
  42. Ibid., Kap. 19, 126. 
  43. Ibid., Kap. 19, 126. 
  44. Victor Klemperer, Tagebücher 1933–1945, hg. v. Walter Nowojski, unter Mitarbeit v. Hadwig Klemperer, 3. Aufl. (Berlin: Aufbau-Verlag, 1999), 4: 150; 26.7.1941. 
  45. Friedrich Kellner, „Vernebelt, verdunkelt sind alle Hirne“: Tagebücher 1939–1945, hg. v. Sascha Feuchert et al., 2 Bde. (Göttingen: Wallstein Verlag, 2011); z.B. Bd. 1, S. 334, 3. November 1942: „unser herzensguter, sonniger Sohn“. 
  46. Heidrun Kämper, „Sprachgeschichte – Zeitgeschichte. Die Tagebücher Victor Klemperers,“ Deut­sche Sprache 28 (2000): S. 25–41, hier S. 37–40; vgl. Kristine Fischer Hupe, Victor Klemperers „LTI. Notizbuch eines Philologen“: ein Kommentar (Hildesheim: Georg Olms, 2001), S. 66f. 
  47. Zu den Traueranzeigen siehe auch Jörg Riecke, „Überlegungen zu ‚Sprache und Beziehung‘ unter den Bedingungen einer Diktatur,“ in Angelika Linke, Juliane Schröter (Hg.), Sprache und Beziehung (Berlin: de Gruyter, 2017), S. 235–57. 
  48. Victor Klemperer, So sitze ich denn zwischen allen Stühlen, Bd. 1: Tagebücher 1945–1949, hg. v. Walter Nowojski, unter Mitarbeit v. Christian Löser (Berlin: Aufbau-Verlag, 1999), 139; 8.11.1945. 
  49. z.B. Victor Klemperer, „LTI“: Die unbewältigte Sprache (Munich: Deutscher Taschenbuch-Verlag, 1969), Kap. 1, 22 „Sprache des Vierten Reichs!“ 
  50. Kristine Fischer Hupe, Victor Klemperers „LTI. Notizbuch eines Philologen“: ein Kommentar (Hildesheim/Zürich/New York: Georg Olms, 2001), S. 514–16. 
  51. Über die Einzelheiten der Verlags- und Rezeptionsgeschichte informiert Kirsten Fischer-Hupe, Victor Klemperers „LTI. Notizbuch eines Philologen“: ein Kommentar (Hildesheim: Georg Olms, 2001), S. 77–265. 
  52. Dazu Heidrun Kämper, „Zum Kultur- und Sprachkonzept bei Victor Klemperer,“ in: Karl-Heinz Siehr (Hg.), Victor Klemperer in der Schule (Berlin: Materialienbuch, 2001), bes. S. 65–68; Kirsten Fischer-Hupe, Victor Klemperers „LTI. Notizbuch eines Philologen“: ein Kommentar (Hildesheim: Georg Olms, 2001), S. 285f.; Utz Maas, „Als der Geist der Gemeinschaft eine Sprache fand“. Sprache im Nationalsozialismus. Versuch einer Argumentationsanalyse (Opladen: Westdeutscher, 1984). 
  53. Victor Klemperer, „LTI“: Die unbewältigte Sprache (Munich: Deutscher Taschenbuch-Verlag, 1969), Kap. 23, 161. 
  54. Ibid., Kap. 8, 61. 
  55. Victor Klemperer, Curriculum Vitae. Erinnerungen 1881–1918, 2. Bde., hg. v. Walter Nowojski (Berlin: Aufbau Taschenbuch Verlag, 1996), 1: 287. 
  56. Victor Klemperer, „LTI“: Die unbewältigte Sprache (Munich: Deutscher Taschenbuch-Verlag, 1969), Kap. 8, 61. 
  57. Victor Klemperer, Tagebücher 1933–1945, hg. v. Walter Nowojski, unter Mitarbeit v. Hadwig Klemperer, 3. Aufl. (Berlin: Aufbau-Verlag, 1999), 2,12; 17.1.1942. 

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